Sexualleben nach der Geburt

Mann und Frau im Bett, ohne Sex
Der Sex läuft nach der Geburt eines Kindes zunächst nicht rund - © depositphotos.com @ ginasanders

Einleitung

Das eigene Sexualleben: es ist wichtig in einer Partnerschaft und das wird es wohl auch immer bleiben. Es ist zweifellos Veränderungen ausgesetzt, unterliegt manchmal bestimmten Phasen. Pausen sind möglich, Abwechslung gehört dazu und natürlich ist das Sexualleben auch vom Berufsleben abhängig. Kaum eine Phase nimmt allerdings einen solchen Einfluss auf das Sexualleben von Paaren, wie die Geburt eines Kindes. Speziell die Geburt des ersten gemeinsamen Kindes kann eine Beziehung völlig auf den Kopf stellen. Bei manchen ändert sich nicht viel und nach einer kurzen Phase der Enthaltsamkeit floriert das Sexualleben womöglich mehr denn je. Dennoch sollten Paare wissen, was auf sie und speziell was auf den Körper einer Frau zukommen kann, wenn die Geburt des Kindes einmal Geschichte ist. Denn neben körperlichen „Problemen“ und Neuerungen sind es natürlich auch psychische bzw. mentale Probleme, die auftreten und das Sexualleben grundlegend verändern können.

Kaiserschnitt, Dammriss, Wochenfluss

Je nachdem, ob es bei bzw. während der Geburt einen Dammriss gab oder falls es zu einem Kaiserschnitt kam, wird der Arzt eine entsprechende Empfehlung ausgeben, wie das weitere Sexualleben weiter gestaltet werden sollte. Vier bis sechs Wochen Enthaltsamkeit sind ohnehin meistens an der Tagesordnung, was am so genannten Wochenfluss liegt. Ein Mythos rührt um dieses Phänomen, das Geburten auftritt. Es handelt sich um ein Wundsekret, das aus der Wunde in der Gebärmutterwand entstanden ist, die nach der Ablösung der Plazenta zurückgeblieben ist. Daher wird das Baden, als auch der Geschlechtsverkehr für die übliche Zeit von vier bis sechs Wochen nicht empfohlen. Durch diese Vorsichtsmaßnahme soll verhindert werden, dass sich die Gebärmutter entzündet. Früher sind Frauen daran gestorben, doch heute lässt sich so was anhand von Antibiotika gut therapieren, sollte es wirklich einmal zu solch einer Entzündung kommen. Der Mythos entsteht unter anderem auch durch den Gedanken der Unreinheit des Blutes und die Angst, dass ein Infektionsrisiko für die Mutter besteht. In der Praxis liegt ein erhöhtes Infektionsrisiko durch Geschlechtsverkehr oder Baden allerdings nicht vor. Und so gibt es auch Ärzte, die aufgrund einer kürzlichen Schwangerschaft nicht davon abraten.

Körperlich gibt es in der Regel also keine großen Einschränkungen, es sei denn, es liegen bestimmte Spezialfälle vor. Natürlich kann es anatomische Besonderheiten geben, je nachdem, wie die Geburt ablief. Doch vor allem sind es mentale und psychische Vorgänge, welche die Sexualität nach der Geburt einschränken können.

Schwangerschaftsdepressionen

Beispielsweise sind hier die so genannten Schwangerschaftsdepressionen zu nennen. Wie der Name schon sagt, treten diese schon während der Schwangerschaft auf. Doch auch nach einer Schwangerschaft kann das Stimmungstief anhalten. Die Schwangerschaftsdepression ist die Folge einer Anpassungsstörung und tritt bei rund 10 Prozent aller schwangeren Frauen auf. Die Ursachen dieser Krisen liegen immer noch im Dunkeln und daher gestaltet sich auch die medikamentöse Behandlung mehr als schwierig, schließlich liegt eine Schwangerschaft vor, die nicht gefährdet werden soll.

Postpartale Stimmungskrisen

Diese Schwangerschaftsdepressionen können sich wie gesagt auch nach der Schwangerschaft fortsetzen. Dabei kann es sich nur um einen umgangssprachlich „Baby Blues“ genannten Zustand handeln, der nach einigen Tagen oder Wochen abklingt. Es können sich allerdings auch schwere psychische Störungen entwickeln, die dann natürlich auch auf das Sexualleben Einfluss nehmen. Die angesprochene leichte Verstimmung ist gekennzeichnet durch Stimmungslabilität, Traurigkeit, häufiges Weinen, übermäßige Sorgen, zum Beispiel über das Kind, Erschöpfung, Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Störungen der Konzentration. Auch Appetitstörungen und Schlafprobleme werden in einer solchen Phase beobachtet. Hauptgrund für das Auftreten der besagten Symptome ist vor allem der Einfluss und die hormonelle Veränderung in dieser Zeit. Die Symptome einer postpartalen Depression gehen natürlich noch weit darüber hinaus und können beispielsweise zu diversen Phobien etc. führen. Sexuelle Unlust ist dabei ein Symptom, was sowohl bei Verstimmungen, als auch bei Formen der Depression auftreten kann.

Dabei ist es besonders schlimm, wenn solche ernsthaften Verstimmungen nicht bewusst wahrgenommen und behandelt werden. Gerade im Falle von schwangeren Frauen, die postpartale Krisen durchleben, sind auch Männer gefährdet, die sich dann quasi von ihren Frauen „anstecken“ können. Oft schämen sich Eltern für ihr Verhalten in einer Phase, in der alle im Umfeld das pure Glück und die reine Zufriedenheit zu erwarten scheinen. Aus Scham werden die Probleme daher oft unterschätzt, was zu fatalen Folgen führen kann. Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere, wenn bereits eine vorherige Depression vorlag, es allgemein Probleme in der Partnerschaft gibt, sonstige problematische Umstände einwirken (beispielsweise Armut, Arbeitslosigkeit und sonstige Faktoren hinsichtlich der sozialen Stellung). Natürlich kann auch eine falsche Erwartungshaltung dazu beitragen, dass gerade bei Vätern eine depressive Grundhaltung zustande kommen kann.

Das beste Verhütungsmittel?

Ein recht zynisches Sprichwort besagt, ein Kind sei das beste Verhütungsmittel. Etwas Wahres ist besonders direkt nach der Geburt natürlich auch an diesem Sprichwort dran, denn die Eltern sind zunächst damit beschäftigt, ein intensives Verhältnis zum gemeinsamen Kind aufzubauen. Gerade die Mutter hat dieses Bedürfnis und hat zudem natürlich noch die Aufgabe, das Kind zu stillen. Zudem kann die Frau nach den Strapazen der Geburt das Gefühl haben, nicht mehr ausreichend attraktiv zu sein. Diese negativen Gefühle tragen natürlich auch dazu bei, dass die Sexualität nach der Geburt eines Kindes eingeschränkt werden kann.

Maßnahmen

Eine bewährte Maßnahme und Methode, eine Beziehung und damit auch das gemeinsame Sexleben zu verbessern, besteht darin, miteinander zu reden. Dabei ist das Sexualleben eines der beliebtesten Tabuthemen, eventuell gerade nach einer Schwangerschaft. Dabei ist es erforderlich und notwendig, sich über die unerfüllten Wünsche und vorhandenen Probleme in der Partnerschaft auszutauschen. Als Mann, der von einem postpartalen Stimmungstief im übrigen genauso wie die Frau betroffen sein kann, ist es vor allem wichtig, der Frau Liebe und die nötigen Freiheiten zu geben. Ihr sollte es letzten Endes überlassen werden, wann sie sich nach dem sehr körperlichen Akt der Geburt bereit fühlt, um das Liebesleben wieder in Schwung zu bringen. In diesem Zusammenhang bietet es sich natürlich auch an, für gemeinsame Auszeiten zu sorgen, sobald die Situation das natürlich erlaubt.

Es kann natürlich vielfältige Gründe geben, warum das Sexualleben nach einer Geburt beeinträchtigt wird. Dazu beitragen kann natürlich auch der Schlafmangel, der zwangsläufig vorhanden sein wird, wenn sich die Eltern um das Neugeborene kümmern müssen. Es kann zudem natürlich auch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis alle Wunden der Frau verheilt sind, die mit der Geburt eventuell entstanden sind. Was hilft, wenn die Schmerzen nicht mehr beeinflussen, ist unter anderem Beckenboden-Gymnastik, denn nach der strapaziösen Geburt muss das Becken erst wieder belastungsfähig werden und sich neu aufbauen können. Alternativ kann es für Paare auch hilfreich sein, neue Stellungen auszuprobieren, Hilfsmittel wie beispielsweise Gleitgel einzusetzen, neue Gewohnheiten zu schaffen und beispielsweise den Mittagsschlaf des Kleinkindes „auszunutzen“, oder auf andere Formen der Sexualität zurückzugreifen. Schließlich sollte ein sorgsamer Mann auch zufrieden damit sein und vor allem auch dafür sorgen, dass die körperliche Nähe zu seiner Frau bestehen bleibt bzw. sogar noch zunimmt.

Häufige Probleme und Antworten

Auf viele Probleme, über die Frauen in dieser Zeit klagen, gibt es teilweise beruhigende und einfache Antworten. Natürlich sind es auch Männer und frisch gebackene Väter, die sich die folgenden Fragen nach der Geburt stellen könnten. Für viele Männer ist es ein sonderbares Gefühl, Geschlechtsverkehr mit der Frau zu haben und dabei in die Vagina einzudringen, zumal dort noch vor einigen Wochen das Neugeborene auf die Welt kam. „Ist die Vagina nun nicht zu weit?“ könnte die Frage sein, die sich Frauen und Männer gleichermaßen stellen. Die klare Antwort lautet allerdings „Nein“, denn die Vagina, die sich bei der Geburt tatsächlich beinahe unendlich ausdehnte, wird sich nach der Geburt zurückbilden. Dafür gibt es sogar spezielle Kurse, damit dieser Prozess noch besser bzw. schneller stattfinden kann. Das bereits besagte Gymnastik-Training für den Beckenboden eignet sich dafür genauso. Die spezielle Rückbildungsgymnastik kann also herangezogen werden. Doch generell bestätigen Sexualtherapeuten, dass Männer kurz nach der Schwangerschaft über keinerlei „technische Defizite“ klagen.

Ein tatsächlich häufigeres und auch begründeteres Problem liegt in der Trockenheit der Frau. Die Frau bzw. Mutter stillt das Kind und dadurch ist der Östrogenspiegel im Blut niedrig. Das wirkt sich automatisch auf die Schleimdrüsen der Vagina aus, die dann weniger Sekret absondert. Das Schlagwort lautet hier allerdings „weniger“. Es ist also nur etwas Geduld erforderlich. Dann steht dem Geschlechtsverkehr trotz etwas veränderten Gegebenheiten nichts im Wege.

Über die Negativität vieler Mütter wurde bereits gesprochen, denn schließlich sind viele nach der Geburt mit ihrem Körper, speziell mit ihren Geschlechtsorganen unzufrieden. Bei 30 % aller frisch gebackenen Mütter dauert es allerdings nur fünf bis sieben Tage, bis die eigenen Geschlechtsorgane ihr „ursprüngliches Aussehen“ wieder angenommen haben. Eine Dammnaht, sowie Schwellungen und Blutergüsse können dafür sorgen, dass dieser Prozess noch um zwei bis drei Wochen verlängert wird. Auch nach dieser Zeit fühlen sich viele Frauen allerdings noch nicht bereit und „gesund“ genug. Sollte allerdings auch der Wochenfluss kein Thema mehr sein, zumal es medizinisch ohnehin nicht wirklich relevant ist, wie bereits beschrieben wurde, gibt es wirklich keine faktischen Gründe mehr. Dann ist es der eigene Kopf, der die Lust verhindert.

Kopfsache

Aus den beschriebenen Erkenntnissen geht hervor, dass es gar nicht so viele körperliche Umstände und Hürden gibt, die Geschlechtsverkehr nach einer Geburt verhindern. Sind Wunden und Narben erst einmal verheilt, ist der erste Hormonschock nach der Geburt erst einmal überwunden und sind die ersten Gewohnheiten erst einmal in den Tagesablauf aufgenommen worden, so kann schnell Normalität in das Sexualleben einkehren. Dass es sich beim Wochenfluss um einen Mythos handelt und kein Infektionsrisiko besteht, ist ja bereits ebenso schon angeklungen. Viele Mediziner bestätigen daher, dass es sich oft und meistens um eine Kopfsache handelt, wenn sich Frauen oder auch Männer nach einer Geburt nicht dazu bereit sehen, das Sexualleben in Schwung zu bringen. Sollte das zu einem Problem werden, kann eine Therapie Abhilfe schaffen. Ansonsten sind die angesprochenen Gespräche wichtig, um herauszufinden, woran die Laune und derzeitige Phase festzumachen ist. Es kann Aufgabe des Mannes sein, seiner Frau vor Augen zu führen, dass ihre Skrupel und negativen Gedanken bloße Hirngespinste sind. Schließlich ist alles im Leben Gewöhnungssache und so kann der gemeinsame Geschlechtsverkehr etwas ungewohnt sein und neue Methoden erforderlich machen. Eine scheinbare Unattraktivität oder äußere Veränderungen, die ohnehin nicht so gravierend auffallen, wie sie von Frauen oft wahrgenommen werden, sollten allerdings nicht dazu führen, dass Probleme die frisch gebackenen Eltern belasten. Es ist normal, dass in der ersten Zeit danach für beide das Kind im Vordergrund steht. Allerdings sollte das Kind auch keine Ausrede oder kein Ventil sein. Denn schließlich profitiert dieses Kind ja auch von der Liebe seiner Eltern. Wird das Kind also zu einer Projektionsfläche des Vaters oder der Mutter, die ihre Liebe einzig und allein auf das Kind übertragen, so wird die Beziehung früher oder später darunter leiden, was wiederum Auswirkungen auf das Kind hat. Unangenehme Aspekte zu verdrängen oder unausgelebte Wünsche und Gedanken unter den Tisch zu kehren, wird letzten Endes also zu nichts führen.

Fazit

Schlussendlich ist vieles, was nach der Geburt eines Kindes in Bezug auf Sexualität als negativ angesehen wird, also Kopfsache. Gerade Frauen tun sich oft schwer, den „Schock“ der Geburt auf eine rationale Art und Weise zu verarbeiten und haben demnach ein verzerrtes Verhältnis zu ihrem Körper. Umso ersichtlicher ist es, welche Aufgabe ein verantwortungsbewusster und liebender Mann in diesem Fall folglich übernehmen sollte. Geduld hilft in jedem Fall weiter, denn die Zeit heilt in diesem Fall wirklich alle Wunden und dass ein Kind in den Tagen und Wochen vor allem für die Mutter im Vordergrund steht, sollte nun wirklich keinen Vater der Welt verunsichern. Für alle möglichen Stimmungskrisen kann es sich sonst anbieten, einen Arzt aufzusuchen. Körperliche Schwierigkeiten sollten sonst bei „normalen“ Geburten nicht auf Frauen zukommen. Sonst wurde alles Weitere von den entsprechenden Frauenärzten ohnehin im Vorfeld mitgeteilt. Was bleibt ist also das gemeinsame Kind, das nicht nur die Liebe von Mama und Papa, sondern die Liebe seiner Eltern als Paar erfahren sollte. Durch ein Kind sollte sich das Liebesleben nie dauerhaft verschlechtern. Eine Verzögerung oder Beeinflussung ist hingegen natürlich normal. Um einer solchen andauernden negativen Krise entgegenzuwirken, hilft das, was in einer Beziehung bei Problemen ohnehin immer hilft: gemeinsame Gespräche, Empathie und Liebe, Zeit gewähren, Geduld walten lassen, Verständnis entgegenbringen und die Hormone irgendwann auch Hormone sein lassen, denn schließlich beginnt der Alltag nach einer Geburt früh genug.